Gesslerhut

Stinkefinger in der Falle

08.10.2011

Nun ist es ja nicht jedermanns Sache, den Stinkefinger unter die Nase gehalten zu bekommen. So manch einer hat dazu eine dedizierte Meinung und auch eine klare Vorstellung davon, wie er im Zweifelsfalle zu reagieren hätte.

Der Stinkefinger stellt eine Beleidigung dar, die der Beleidigte als kränkend empfinden kann. Aus diesem Grunde ist der Akt der Beleidigung im deutschen Recht unter Strafandrohung gestellt.

Darunter fällt natürlich auch die Beamtenbeleidigung. Nicht darunter fällt allerdings der Versuch einer Beleidigung.

In diesem Fall möchte ich also ein paar Fragen in den Raum stellen:

Ist eine Radarfalle beleidigbar? Das würde voraussetzen, dass eine Radarfalle zum einen eine Person ist und zum anderen eine beleidigbare Ehre besitzt.

Ist ein nicht sichtbarer Beamter beleidigbar? Ohne jetzt einen philosophischen Diskurs über Wirklichkeitswahrnehmung anzetteln zu wollen stelle ich folgende Behauptung auf: Wenn ich einen Menschen nicht sehe, dann kann ich auch nicht zwingend davon ausgehen, dass er anwesend ist. Im Umkehrschluss: Ich gehe davon aus, dass dieser Mensch nicht anwesend ist. Wenn ich nun trotzdem versuchen würde, ihn zu beleidigen, dann bleibt es beim Versuch. Der Adressat kann die Beleidigung mangels vorhandenseins nicht entgegennehmen.

Man könnte jetzt anführen, dass hier aus der versuchten Beleidigung eine tatsächliche geworden ist, weil das Stinkefingerbild den Beamten zur Ansicht gekommen ist. Dazu sei der mögliche innere Dialog des Fahrers herangezogen. Und der stellt sich doch in etwa so dar: "Da ist eine Radarfalle... normalerweise fahre ich immer zu schnell... heute ausnahmsweise nicht... ällerbätsch... Stinkefinger".

Die Beamten hingegen unterstellen dem Fahrer diese Denkweise: "Jetzt fahre ich schon seit Stunden in der Gegend rum... weit und breit kein Polizist... wo ich doch so in Beleidigungslaune wäre... uii, eine Radarfalle... da kann ich gleich Falle, dazugehörige Beamte und den ganzen Polizeiapparat auf einmal beleidigen... Glücksfall... Stinkefinger".

Sei wie es sei. In Zukunft aufgepasst, welche Geste man wann und wo macht. Man kann ja nie wissen, wer hinter dem nächsten Busch lauert und sich beleidigt fühlt.

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