Archäologie der Zukunft

11.02.2017

Heute graben sich Archäologen durch Wüstensand, U Bahn Schächte und Moorgebiete. Immer auf der Jagd nach Scherben, Mauern und alten Knochen.

Die Menschen der Vorzeit haben ja nun allerhand zurückgelassen.

Nach was werden die Archäologen der Zukunft graben, wenn sie was über uns erfahren wollen?

Ich stelle mir das ein bisschen so vor:

Verwegene Männer und Frauen mit Gruben-LEDs und Funktionsunterwäsche robben zwischen umgestürzten, verbeulten und rostigen Serverschränken umher. Sie stecken Stecker mal in diese, mal in jene Löcher. Passt einmal ein Stecker, kommen die Archäologen voll gespannter Vorfreude zusammen, um zu sehen, was passiert. Wenn dann wirklich ein Laufwerk zu rattern, eine Diode zum Blinken anfängt, ist die Freude groß. Die Archäologen haken sich unter und führen im Freudentaumel wilde Tänze auf. Mit größt möglicher Vorsicht werden sie beginnen, den gefundenen Server freizulegen. Kabel auf die Seite räumen, Schräubchen lösen. Ihren Fund verpacken sie dann sorgsam in 0-Grav-Vakuum Kisten mit pharadäischer Ummantelung, damit die hoffentlich erhaltenen Bits nicht beschädigt würden.

In ihren düsteren, etwas dystopisch anmutenden Laboren, rücken sie ihrem Schatz zunächst mit Staubsauger und Pinsel zu Leibe. Jeder einzelne Steckkontakt wird gesäubert, jede Schweißnaht kontrolliert. Ist man der Meinung, das bestmögliche geleistet zu haben, kommt der große Augenblick. Das historische Speichermodul wird an moderne Apparaturen angeschlossen, Stromkreise werden geschlossen und alles starrt gebannt in Richtung Projektionseinheit. Wirr flimmern Zahlen, Buchstaben und Zeichen. Keine Ordnung und kein System ist erkennbar.

Wissenschaftler aus der ganzen Welt werden hinzugezogen, in der Hoffnung irgend ein Muster entschlüsseln zu können. Wiederkehrende Zeichen, vielleicht Zahlenreihen. In endlosen Nächten werden erste Worte sichtbar. Mit Hilfe anderer Artefakte können vielleicht zusammenhängende Sätze dekodiert werden. Stolz werden die Wissenschaftler ihre Ergebnisse präsentieren.

Was sie jedoch präsentieren, muss uns auch nach Jahrhunderten die Schamesröte ins Gesicht zaubern. Es werden belanglose Tweets oder hasserfüllte Facebook Posts sein. Das ist es, was von uns übrig bleibt. Bits und Bytes voller Banalitäten. Kein Gedanke an kulturelle Leistungen wie die Höhlenmaler unserer Vorzeit. Keine architektonischen Perlen wie die alten Ägypter. Keine Literatur Goethescher Ausprägung. Unsere Epoche wird als die finstere Zeit der digitalen Verrohung in die Geschichtsbücher eingehen.

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Abendzeitung

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